Bagatellen

VON MENSCHEN UND MUSIK

Die Bagatelle (Französisch für „Kleinigkeit, Liebschaft“) bezeichnet ein kleines, zyklisch nicht gebundenes Werk der Instrumentalmusik.

Der Bagatellen-Blog versammelt Petitessen, Preziosen, Bilder, Anekdoten und Zitate über "Menschen und Musik".

Inhalt

Nr. 6 - Sicilienne im Paradis-Konzert

Nr. 5 - Palermitanische Bilder-Galerie

Nr. 4 - Goethes Ankunft in Palermo

Nr. 3 - Schulhoffs Duo in Schloss Dachau

Nr. 2 - Felix Mendelssohn Bartholdy in München (1)

Nr. 1 - Schönberg und Brahms

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Sicilienne im Paradis-Konzert

Nein, eine Sicilienne ist nichts zum Essen, obwohl man sich unter diesem Namen durchaus ein süß-bitteres Gebäck vorstellen könnte. Die Sicilienne ist der weibliche französische Begriff für den Siciliano, "eine Satzbezeichnung der Barockmusik für Gesangsstücke, Tanzstücke oder Suitensätze".

 

Flavia Odoroso, Klemens Schnorr, Sonja Korkeala
Flavia Odoroso, Klemens Schnorr, Sonja Korkeala

Und auch wenn die Sicilienne wohl nichts mit Sizilien zu tun hat, könnte sie als heimlicher Titel über einem Konzert stehen, das am Freitag, 12. Mai 2017 in der Kirche Chiesa Nostra Signora delle Nazioni in Palermo stattfand. Den Rahmen des Konzerts für Violine und Orgel bildete das Festival "La Settimana Europea a Palermo".

Es spielten Sonja Korkeala (Violine) und Klemens Schnorr (Orgel), der das Konzert gemeinsam mit Don Felice Lupo und Flavia Odoroso organisiert hatte.

Auf dem Programm standen Werke von Antonio Vivaldi, Jeremiah Clarke, Arcangelo Corelli, Georg Friedrich Händel, Giuseppe Arrigo, Josef Rheinberger, Giacomo Meyerbeer und Jules Massenet.


Und: die Sicilienne von Maria Theresia von Paradis.

Zwar gibt es Zweifel an ihrer Autorschaft, aber ebenso gibt es Zweifel an diesen Zweifeln. Fest steht, es ist nicht hinreichend belegt, dass die Komposition von Paradis stammt.

Aber ohne jeden Zweifel kann man Paradis eine der ungewöhnlichsten Frauen der Mozartzeit nennen

Die am 15. Mai 1759 in Wien geborene Paradis war Pianistin, Sängerin (Sopran), Komponistin und Musikpädagogin. Seit ihrer Kindheit war sie blind.  Nach vielen erfolglosen Behandlungen versuchte 1777 der berühmte Arzt und Magnetiseur Franz Anton Mesmer Maria Theresia Paradis zu heilen.

In ihren "Denkwürdigkeiten aus meinem Leben" schreibt Caroline Pichler (1769–1843):

»Um diese Zeit erregte eine Erscheinung das erstemal ungeheures Aufsehen in Wien. Es war dies der Magnetismus oder eigentlich Mesmerismus; denn Dr. Mesmer war es, der, damals ein schöner, kräftiger, junger Mann (die meisten Magnetiseure, die ich kennen gelernt, vereinten diese Eigenschaften) seine Kunst durch die Wiederherstellung des Augenlichts bei dem blinden Fräulein von Paradis zeigen wollte. Fräulein Therese von Paradis war damals ein Mädchen von 17–18 Jahren, nicht hübsch, aber voll Geist, Herzensgüte und Talent, besonders für Musik, was denn, mit ihrem Unglück zusammengenommen, ihr eine sehr anziehende Persönlichkeit gab, und ihr auch noch in späteren Jahren die Achtung und Liebe aller derjenigen erwarb, welche zu dem engeren Kreise ihrer Freunde gehörten, und unter welche auch ich mich zählen durfte.«

Ihre Blindheit hinderte sie aber nicht daran, als Pianistin durch ganz Europa zu reisen und Konzerte in Linz, Salzburg, Würzburg, Frankfurt am Main, Mannheim, Speyer, Koblenz, Bonn, Karlsruhe, Stuttgart, Regensburg, München, Augsburg, Straßburg, Colmar, Mülhausen, Basel, Zürich, Bern, Lyon, Paris, London, Brüssel, Bamberg, Hannover, Hamburg, Berlin, Leipzig, Dresden, Prag zu geben.

Eine Kritik eines Konzerts in Paris:

»Das Concert Spirituel vom 1. Ostern gewährte unsern Parisern eine seltene Erscheinung. Mlle Paradis von Wien, seit dem zweiten Jahre ihres Alters des Augenlichtes gänzlich beraubet, spielte auf dem Klavecin, und sezte uns alle in Erstaunen. Diese blinde Virtuosin war die erste, welche uns aus dem irrigen Wahne riß, dass das Klavecin in einem großen und weitläufigen Sale keine sonderliche Wirkung machen könne: sie bewies das Gegenteil mit der Stärke ihres Spieles, zu allgemeinem Beifalle. Die junge durch sich selbst so sehr als durch ihre Talente interessante Person ist eine Lehrschülerin des berühmten Kozeluch.« (wikipedia)

Neben ihrem Wirken als Pianistin und Komponistin gilt Maria Theresia von Paradis als Pionierin der Musikausbildung für Blinde.

Maria Theresia Paradis starb am 1. Februar 1824 in Wien. 


Palermitanische Bilder-Galerie

Fotos einer Konzertreise im Mai 2017 nach:

- Teil 2 -




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Goethes Ankunft in Palermo

Mitbringsel einer Konzertreise im Mai 2017 nach:

- Teil 1 -

Zweieinhalb Wochen verbrachte Johann Wolfgang von Goethe auf seiner italienischen Reise in Palermo. Die ersten Eindrücke der sizilianischen Metropole schilderte er so:

Palermo, Montag, den 2. April 1787. Endlich gelangten wir mit Not und Anstrengung nachmittags um drei Uhr in den Hafen, wo uns ein höchst erfreulicher Anblick entgegentrat. Völlig hergestellt, wie ich war, empfand ich das größte Vergnügen. Die Stadt gegen Norden gekehrt, am Fuß hoher Berge liegend; über ihr, der Tageszeit gemäß, die Sonne herüberscheinend. Die klaren Schattenseiten aller Gebäude sahen uns an, vom Widerschein erleuchtet. 

Monte Pellegrino - "das schönste aller Vorgebirge der Welt"

Palermo, Dienstag, den 3. April 1787. Monte Pellegrino rechts, seine zierlichen Formen im vollkommensten Lichte, links das weit hingestreckte Ufer mit Buchten, Landzungen und Vorgebirgen. Was ferner eine allerliebste Wirkung hervorbrachte, war das junge Grün zierlicher Bäume, deren Gipfel, von hinten erleuchtet, wie große Massen vegetabilischer Johanniswürmer vor den dunkeln Gebäuden hin und wider wogten. Ein klarer Duft blaute alle Schatten.

Monte Pellegrino und Hafen
Monte Pellegrino und Hafen

Palermo, Dienstag, den 3. April 1787. Dann geht es westwärts weiter fort an den gewöhnlichen Landungsplatz, wo kleinere Schiffe anlegen, bis zu dem eigentlichen Hafen an den Molo, die Station größerer Schiffe. Da erhebt sich nun, sämtliche Fahrzeuge zu schützen, in Westen der Monte Pellegrino in seinen schönen Formen, nachdem er ein liebliches, fruchtbares Tal, das sich bis zum jenseitigen Meer erstreckt, zwischen sich und dem eigentlichen festen Land gelassen.

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Schulhoffs Duo in Schloss Dachau

(SK) Nach dem Konzert in Hammelburg im Februar 2017 konnte ich Erwin Schulhoffs wunderbares Duo für Violine und Violoncello am 19. April 2017 im Schloss Dachau spielen, bei dem Meisterkonzert des Europäischen Musikworkshops Altomünster. Gemeinsam mit dem Cellisten Guido Schiefen. In dem Konzert traten Dozenten und Studenten des Meisterkurses auf. In einer Kritik der Süddeutschen Zeitung heißt es:

»Hochkarätiges Konzert. Eine Offenbarung des Musizierens.« Von Adolf Karl Gottwald.

»Das zentrale Werk des Programms war ein Duo für Violine und Violoncello von Erwin Schulhoff. Auch dieses Werk findet sich sonst in keinem Konzertprogramm. Schulhoff gehört ohnehin der sogenannten "lost generation" zwischen den beiden Weltkriegen an, die sich von der musikalischen Spätromantik abwandte ohne sich der Atonalität zu nähern, und Schulhoffs Duo ist zudem ein besonders intimes Stück Kammermusik, das von den Ausführenden zwar hohe Virtuosität verlangt, aber letztlich im Zwiegespräch zwischen Violine und Violoncello ohne Seitenblicke auf unmittelbare Wirkung nach außen verbleibt. Sonja Korkeala und Guido Schiefen waren die idealen Interpreten für diese Musik, sie verstanden sich bestens bis ins kleinste Detail der Auffassung, ihr Zusammenspiel war unübertrefflich, ihr Dialog von Leben erfüllt. Von den drei großen Duos für Violine und Violoncello dieser Zeit - neben Schulhoff, die (bekannteren) Werke von Maurice Ravel und Zoltan Kodaly - ist Schulhoffs Duo das am meisten verinnerlichte und hatte schon deshalb seinen Platz in dem exquisiten Programm.«

Quelle: SZ 21. April 2017. Link zum gesamten Artikel auf der Webseite der SZ. (http://www.sueddeutsche.de/muenchen/dachau/hochkaraetiges-konzert-eine-offenbarung-des-musizierens-1.3472956)

Felix Mendelssohn Bartholdy in München (1)

"In München war ich ein Bier- und Käsevertilger"

"München, 6. October 1831.

Jeden Morgen habe ich zu schreiben, zu corrigiren, zu instrumentiren; so wird es 1 Uhr; da gehe ich nach der Kaufingergasse, in Scheidels Kaffehaus, wo ich alle Gesichter schon auswendig kenne, und die Leute jeden Tag in derselben Stellung finde: Zwei Schach spielend, Drei zusehend, Fünf Zeitung lesend, Sechs zu Mittag essend, und ich bin der Siebente. 


Nach Tische kommt dann gewöhnlich Bärmann, holt mich ab, und wir machen Concert-Besorgungen miteinander, oder gehn spazieren zu einem Bier und Käse; dann geht es wieder nach Hause, und wird gearbeitet. Abends habe ich diesmal zwar durchaus alle Gesellschaften abgelehnt, habe aber doch so viel angenehme Häuser, wo ich uneingeladen hinkomme, daß ich selten bis nach Acht in meiner parterre-Stube Licht habe.


Ich wohne nämlich sehr ebener Erde, in einem Zimmer, das sonst ein Laden war, so daß ich mit einem Schritt mitten auf der Straße bin, wenn ich die Fensterladen vor der Glasthüre aufriegle. Wer gerade vorbeikommt, guckt in's Fenster herein, und sagt guten Morgen." 

Schönberg und Brahms

Verbindungslinien

Sie sind sich nie begegnet, lebten aber ein Vierteljahrhundert in der gleichen Stadt.

Johannes Brahms zog 1872 endgültig nach Wien, wo Arnold Schönberg zwei Jahre später geboren wurde. 

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In Wien wurden 1862 die beiden Klavierquartette op. 25 und op. 26 von Johannes Brahms uraufgeführt.

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Schönberg fühlte sich nicht als Umstürzler, sondern als Weiterentwickler.

„Ich lege nicht so sehr Gewicht darauf, ein musikalischer Bauernschreck zu sein, als vielmehr ein natürlicher Fortsetzer richtig verstandener, guter, alter Tradition“ (Schönberg 1923, Quelle: Arnold Schönberg Center)

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Am 12. Februar 1933 hielt Schönberg einen Vortrag mit dem Titel:  »Brahms, der Fortschrittliche«.

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