Reiz der Ambivalenz: Hankyeol Yoon und sein erstes Streichquartett

Der südkoreanische Komponist Hankyeol Yoon
Hankyeol Yoon

Hankyeol Yoon wurde 1994 in Südkorea geboren. Mit 17 Jahren begann er an der Hochschule für Musik und Theather München ein Kompositionsstudium bei Prof. Isabel Mundry. Seit 2013 studiert er zusätzlich Klavier bei Prof. Yuka Imamine und seit 2014 Orchesterdirigieren bei Prof. Bruno Weil.

Hankyeol Yoon nahm erfolgreich an zahlreichen Kompositionswettbewerben teil. So war er 2014 Finalist beim Internationalen Kammermusikwettbewerb “Franz Schubert und die Musik der Moderne” in Graz und 2015 mit seinem Streichquartett "Klangfoto" im Finale des internationalen Kompositionswettbewerbs "Concours de Geneve 2015".

Mit seinem ersten Streichquartett "String Quartet (2011)" gewann Hankyeol Yoon den dritten Preis beim Günter Bialas-Kompositionswettbewerb für Kammermusik 2015. (Ein erster Preis wurde nicht vergeben.)

Hankyeol Yoon über sein "String Quartet (2011)":

 "Das ist das allererste Stück, das ich in München, gleich nach Anfang meines Studiums, komponiert habe. Das ist jetzt fast fünf Jahre her, ich war damals 17 und jetzt bin ich 21. Meine Musik hat sich seitdem weiter entwickelt und geändert, aber auch in meiner jetzigen Musik bleibt immer noch das fundamentale Gefühl wie in dem ersten Streichquartett.

Das Stück ist mir besonders wichtig, nicht nur, weil es die erste Komposition in München war, sondern auch, weil ich hier zum allerersten Mal konkretere Ideen und mein eigenes musikalisches Material, meine Kriterien usw. bereits vor dem Schreiben systematisiert habe.

Davor, als ich noch jünger war und noch nicht mit dem Studium angefangen hatte, habe ich beim Komponieren immer vor dem Klavier improvisiert und das, was ich bei diesem Improvisieren schön fand, einfach aufs Notenpapier geschrieben, die schönen Sachen entstanden quasi aus solchen Zufällen.

Meine Professorin legte mir dann eine neue Arbeitsweise ans Herz und schlug vor, dass ich ein Stück zunächst im Wesentlichen plane.

Mir waren seit langem, eigentlich schon immer, Harmonien und Akkorde wichtig, da ich finde, das sind die Elemente, die die Luft und Atmosphäre der Musik zu allererst bestimmen. Deshalb habe ich eine Reihe von 6 vierstimmigen Akkorden für dieses Quartett festgelegt, die erstens sehr linear gebunden sein und, nach meiner Meinung, ambivalent klingen sollen. Ambivalent in dem Sinn, dass sie weder als tonal/konsonant noch als atonal/dissonant betrachtet werden sollten. Das Quartett besteht ja durchaus aus dieser Harmonie. Das Tonmaterial steht, liegt und mischt sich so im Zickzack Sinne.

In meiner jetzigen Musik, fünf Jahre später, liegen ja noch mehrere Systeme und Gedanken neben- oder übereinander, aber harmonisch fühle ich mich immer noch in diesem Reiz der Ambivalenz sehr wohl. Deshalb ist mir dieses Quartett immer noch sehr wichtig." 

(© Hankyeol Yoon/MAS)